Medientipp #5: Befreiungsfeiern der KZ Gedenkstätten in Zeiten von Corona

„Das, was damals geschehen ist, kann leider wieder geschehen, wenn auch vielleicht nicht auf dieselbe Weise. Um zu verhindern, dass der Holocaust sich wiederholt, ist es wichtig, sich zu erinnern; das Vergangene prägt die Gegenwart und wirft seinen Schatten auf die Zukunft.“

Hédi Fried

Heute vor 75 Jahren, am Morgen des 2. Mai 1945 befreiten Amerikanische Truppen Rosenheim. Um 6 Uhr früh ergab sich der Kampfkommandant Honsalek, etwas später übergab der nationalsozialistische Oberbürgermeister Hans Gmelch die Stadt an die US-Truppen1. In dem 1989 erschienenen Ausstellungskatalog „Rosenheim im Dritten Reich“ wird der Einmarsch der amerikanischen Befreier wie folgt beschrieben:

„Schon am Vormittag des 2. Mai 1945 […] tummelten sich bereits Scharen von Kindern an den auf dem Ludwigsplatz aufgefahrenen Panzern […]. Die Soldaten verteilten Schokolade und andere Süßigkeiten an die Kinder.2

Bildquelle: Foto der S. 112  des Katalogs zur Ausstellung „Rosenheim im Dritten Reich“ im Heimatmuseum Rosenheim, 1989

In unserer Medientipp-Reihe wollen wir die Befreiung der Nazi-Konzentrationslager durch die Alliierten, welche sich diese Jahr zum 75. Mal jährt, thematisieren. In allen größeren Gedenkstätten sollten anlässlich des Jubiläums große Befreiungsfeiern stattfinden, zu denen die noch lebenden ehemaligen Häftlinge eingeladen waren. Für viele wäre es wahrscheinlich aufgrund des hohen Alters eine der letzten Gelegenheiten gewesen, im Rahmen einer solchen Befreiungsfeier denen zu gedenken, die die Tortur und Folter der Lager nicht überlebt haben. Doch wegen der Corona-Pandemie müssen leider auch gerade diese Feiern abgesagt werden. 

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Gegen den autoritären Staat, gegen Verschwörungsideologien und vor allem gegen jede Querfront!


Grenzschließungen, Bundeswehr im Innern, faktische Aussetzung von grundlegenden Menschenrechten wie dem Recht auf Asyl, Ausgangssperren, Kontaktverbot … Von den staatlichen Versuche, die globale Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen, hätten wahrscheinlich auch die härtesten Fans von law & order vor einigen Monaten noch nicht zu träumen gewagt. Aus emanzipatorischer Sicht sind viele dieser Einschränkungen zwar eine medizinische Notwendigkeit, auch wenn sie dem Anspruch, wirklich alle Menschen bestmöglich vor einer Infektion zu schützen, trotzdem nicht gerecht werden (https://contre.rosenheim.tk/corona-medientipp-3-linke-positionen-zur-corona-krise/). Einige der Maßnahmen sind jedoch eine zu kritisierende menschenrechtliche, gesundheitliche und politische Katastrophe. Auch deshalb sind Kampagnen wie #LeaveNoOneBehind gerade so wichtig (https://contre.rosenheim.tk/medientipps-in-zeiten-von-social-distancing-teil-1-leavenoonebehind/). Bei aller begründeten Skepsis gegenüber dem bürgerlichen Staat und seiner autoritären Politik, empfinden wir es als bedrohlich, wie die Verbreitung von Sars-CoV-2 von Anfang an durch viele Verschwörungsmythen (https://www.rnd.de/panorama/5-corona-verschworungstheorien-und-ihre-widerlegung-JLA5AH3FB5C7PF7EPJD36RJOD4.html) begleitet wird. Hier wird vermeintlich Kritik geübt, doch in Wirklichkeit werden meist komplexe Zusammenhänge auf das Wirken einzelner Personen oder Gruppen reduziert. Ihre einfachen Erklärungen funktionieren im Endeffekt meist darüber, einen angeblichen Sündenbock zu benennen – oft Minderheiten, die rassistisch oder antisemitisch diskriminiert werden. Diese Verschwörungslegenden, wie sie auch in Rosenheim auf Aushängen und Flugblättern verbreitet werden, haben jedoch nichts mit kritischem Denken zu tun. Es ist wichtig, eine klare Grenze zu ziehen und rechten Hetzern keinen Millimeter Platz zuzugestehen, scheißegal ob Neonazis, AfD Rassist*innen oder verschwurbelt-meditierende Eso-Freaks.

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Zur mutmaßlich rassistischen Brandstiftung in Waldkraiburg: Den Betroffenen eine Bühne geben!


„…Mir fehlen die Worte, in diesem Fall ist meine eigene Familie Opfer eines Brandes geworden. Heute Nacht um 03:30 Uhr wurde der „türkische“ Gemüse- und Obstladen meines Onkels in Brand gesteckt. Mit der Message „Ausländer raus“. Eine Nachricht, welche wir nicht realisieren können.  Wir müssen einsehen, dass Rechtsextremismus die größte Gefahr für jeden einzelnen von uns ist. Einige Tage vor dem Brand wurde zuvor ein TÜRKISCHES Restaurant sowie ein Friseurladen Opfer von Scheibenbrüchen und Belästigungen (…) Schaut nicht weg, lasst uns zusammen ein Zeichen setzen (…) Remember Hanau And all the others!“

@ozgkle_ via instagram


Gestern haben wir die Meldung Waldkraiburg: Brandstiftung aus rassistischen Motiven? veröffentlicht.  Wir schrieben, es sei eine notwendige Schlussfolgerung, die wir aus dem rechten Terror der letzten Jahrzehnte gezogen haben, bei allen Anschlägen gegen rassistisch markierte Personen von einem rechten Motiv auszugehen, solange nicht das Gegenteil bewiesen wird. Eine weitere Lehre aus dem NSU-Komplex ist es, die Betroffenen nicht mehr allein kämpfen zu lassen, sondern sich an ihre Seite zu stellen. „Selbst wenn es keine unmittelbaren Ermittlungen gegen sie gibt, wie es bei den Angehörigen der NSU-Mordopfer der Fall war, lassen es sich Medien und Polizei häufig nicht nehmen, dennoch diskreditierende Gerüchte zu streuen. Dagegen können wir etwas tun, indem wir ihnen eine Bühne bieten, ihre Geschichten und ihre Forderungen hören und weiterverbreiten. Es können Statements geschrieben, Demos und Veranstaltungen organisiert, Öffentlichkeit geschaffen werden“ heißt es in dem Thesenpapier „Name it, face it! Rechten Terror bekämpfen!
Wir haben versucht Statements von Betroffenen und Angehörigen zu finden und möchten diese hier zu Wort kommen lassen, ihnen eine Bühne bieten. Diese Sammlung ist sicher nicht vollständig – ihr könnt uns gerne weitere Statements zukommen lassen.

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